Hohe Tibiale Umstellungsosteotomie linkes Knie

… die Kunst der planbaren kleinen Schritte!

Es ist Oktober und wir bewegen uns schnellen Schrittes 😉 auf Weihnachten zu.

Was geht euch bei den Begriffen „Ente“ und „Pfanne“ spontan durch den Kopf? Mir inzwischen wieder schöne Gedanken an leckeres Essen. Nach der Op haben Ente und Pfanne für viele Patienten aber die Bedeutung nicht so mobil zu sein, um selber auf Toilette gehen zu können!

Und da ich lieber an gutes Essen denke, als daran, auf was ich verzichten muss, kam mir die Idee aufzuschreiben, warum es mir trotz Schmerzen und massiver Einschränkung meiner Arbeitsfähigkeit so gut geht!

Fangen wir mit der Motivation sich operieren zu lassen an.

Die möglichen und sicher eintretenden Nebenwirkungen dieser OP sind lang. Genauso lang wie die Einschränkungen nach der OP. Somit kann es nur eine einzige überwältigende Motivation geben: die Aussicht auf weniger Schmerzen und Einschränkungen um den Alltag wieder wunschgemäß gestalten zu können!

Dieses Ziel sollte immer vor Augen gehalten zu werden. Doch das alleine reicht nicht aus, um genügend Kraft für die lange Regenerationszeit nach der OP zu sammeln.

Vielmehr benötigen wir 3 Ebenen, die als Fundament für unseren langen Kampf für das Erreichen unseres Ziels dienen.

  1. Die gedankliche und sachliche Ebene
  2. Die emotionale Ebene
  3. die körperliche Ebene
  • Wir müssen uns deutlich bewusst machen, was wir vor der OP für Einschränkungen und Schmerzen haben. Bei mir fing es damit an, dass ich mein Bowlingtraining immer weiter zurückfuhr um Schmerzen zu vermeiden. Irgendwann hatte ich Morgens immer länger Schmerzen, bis ich in Fahrt kam. Doch das war alles noch auszuhalten. Mein Tüpfelchen auf dem I waren die Schmerzen, die nachts kamen und mich nicht mehr durchschlafen ließen.
  • Der nächste Schritt ist die Formulierung eines realistischen und innerhalb einer bestimmten Zeit erreichbaren Ziels. Mein Ziel ist es wieder am 07.12.2014 beim Ligawettkampf im Bowling teilzunehmen und meine Mannschaft zu stärken! Also gute 2 Monate nach der OP!

Was kann ich dafür tun, um mich aktiv auf die OP vorzubereiten?

  • Mein Ziel am 07.12. wieder Bowlen zu können, habe ich definiert. Aber nur auf der sachlichen Ebene. Verstärken kann ich meine Motivation deutlich, indem ich mir regelmäßig vorstelle (am besten auch mit Gerüchen und Gefühlen und möglichst detailliert), dass ich an diesem Spieltag spielen werde. Diese Visualisierung soll das Ziel tief in mir verankern. Die Vorgehensweise ist relativ einfach. Wann immer ich entspannt bin, schließe ich die Augen uns sehe meinen eigenen Auftritt: Überraschte Gesichter, dass ich schon da bin und spielen werde, die am frühen Morgen hell wirkenden Lichter der Bowlinghalle, ich rieche den Kaffeeduft aus den Tassen, die von einigen Mitspielen bestellt wurden, ich begrüße meine Kameraden und gehe zur Bahn, wo ich meine schweren Bowlingbälle auspacke und die Schuhe anziehe,…
  • Da jede Operation ein schwerer Eingriff in die normalen Körperfunktionen darstellt, ist eine gute Körperverfassung eine klare Voraussetzung, um die Folgen so gering wie möglich ausfallen zu lassen und die Regenerationszeit zu verkürzen. Ausdauertraining zur Verbesserung der allgemeinen Ausdauer (Walken, Nordic Walking, Schwimmen, Fahrradfahren, …) hilft noch ein wenig Fett abzubauen, den Stoffwechsel zu regulieren und stärkt vor allem das Immunsystem und den Kreislauf. Kraftausdauertraining für Handgelenk, Arme und Schulter erleichtert das Laufen mit Krücken. Krafttraining speziell für die Beinmuskulatur stabilisiert und entlastet das Knie. Durch Beweglichkeitstraining der Wirbelsäule  kann später der durch langes Liegen angestrengte Rücken leichter mobilisiert werden. Koordinationstraining des Gleichgewichts hilft, wenn immer wieder auf einem Bein gestanden wird.

Die Kunst der kleinen Schritte nach der OP

  • Klingt banal, aber ich habe mich nach der OP als erstes gefreut, wieder da zu sein!
  • Dann habe ich mich gefreut, keine äußere Schiene zu tragen.
  • Erleichternd, aber nicht wirklich schön war es, als die Ente und ich zusammengefunden haben.
  • Damit hatte ich auch wieder mein nächstes Ziel: trotz Drainage-Schläuche mit Krücken zur Toilette gehen zu können. Das war super!
  • Nach dem Essen wurde mir nicht mehr schlecht.
  • Sehr kurze Zeit später konnte ich auch Zähneputzen und mich waschen.
  • Mein OP-Bericht sah eine Teilbelastung von 15 Kg in den ersten 3 Wochen danach bis zur Röntgenkontrolle 30Kg vor.
  • Ein echtes Highlight war das Ziehen der Redon-Drainage. Keine Schläuche mehr!
  • Das Treppenlaufen mit den Krücken hat super geklappt.
  • Die Entlassung. Nach Hause! 3 Tage nach der OP. Boah!
  • Das erste Gehen an der frischen Luft. Wenn auch nur zum Auto.
  • Essen am Esstisch. Nur kurz, aber immerhin nicht im Bett.
  • Duschen!!! Zwar mit Hocker und ganz schnell, aber DUSCHEN.
  • Erste Versuche auf dem Mini-Ergometer.
  • Der erste geplante „Spaziergang“ an der frischen Luft.
  • Erster Termin Lymphdrainage von der Physiotherapeutin.
  • Die ersten 30 Minuten auf dem Mini-Ergometer.
  • Ein halbstündiger Spaziergang an der frischen Luft.

Diese Liste ist sicherlich nicht vollständig, wenn man alle kleinen Highlights bewusst wahrnimmt und feiert, soll aber zeigen, wie viele tolle Erfolgsergebnisse eigentlich schon nach kurzer Zeit eintreten. Immer ein Schritt näher am Ziel!

Bereits in Sicht sind weitere:

  • Das erste Mal wieder beim Sportkurs zuschauen.
  • Das erste Mal wieder beim Training zuschauen.
  • Die Fäden werden gezogen.
  • Die Schmerzen werden jeden Tag erträglicher.

In diesem Sinne: freuen wir uns auf die Ente 😉 !

STRIKE!