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HTO t+85 als geheilt verabschiedet

Um es vorweg zu nehmen: ich habe nicht am 07.12. bowlen können.

Aber seit dem 21.11.2014, der zweiten Röntgenkontrolluntersuchung und gute 6 Wochen nach der OP, habe ich die Krücken in die Ecke gestellt, wo sie heute noch stehen.

Meine letzte Untersuchung war am 30.12.2014. Nachdem Prof. Dr. Andreas Weiler mein Bein untersucht hat, hat er mich als geheilt verabschiedet. Allerdings wollte ich wissen, wie „weit“ ich mit meiner Genesung bin und er meinte, ich wäre weiter, als so manch einer nach einem Jahr 🙂 ! Das macht stolz und nachdenklich zugleich.

An dieser Stelle möchte ich, liebe Bea aus Lübeck, Deine Fragen beantworten:

„Deshalb würde ich gern von dir nun wissen, wie es dir mittlerweile so geht.“

Ich kann mein Leben komplett selbständig leben, bin arbeitsfähig und in meinen Alltags-Bewegungen nahezu uneingeschränkt.

Wie belastbar bist du gegenwärtig mit dem operierten Bein?

Am 11.12. habe ich das erste Mal wieder gebowlt. Allerdings nur 2 Spiele, dann hat es gereicht.  Jetzt gehen immerhin schon 6 Spiele. Seit 26.12. geht auch wieder Nordic Walking im Wald mit Hügeln. Anfangs 33 Minuten und 2.1 Km, inzwischen 55 Minuten und 4.3 Km.

Wie schätzt du den Erfolg nach diesem Zeitraum ein?

Oje, diese Frage ist nicht so leicht zu beantworten!

Wenn ich es mir einfach mache, erinnere ich mich daran, dass ich vor Schmerzen nachts nicht mehr schlafen konnte. Sportliche Bewegungen und das morgendliche Aufstehen waren eine Qual. Bowling ging gar nicht mehr. Autofahren war genauso schmerzhaft, wie langes sitzen. Kniearthrose(Gonarthrose) 4. Grades (teilweise komplett zerstörter Knorpel, „Knochenglatze“) heißt nun mal „Feierabend“.

Somit gab es bei mir nur 2 Möglichkeiten: Knieteilprothese (Schlittenprothese) oder Umstellungsosteotomie (Beinachsenkorrektur).

Alle Prothesen haben den Mangel irgendwann kaputt zu gehen (ich habe weit auseinanderklaffende Angaben von 5 -20 Jahren gelesen) und nur ein bis maximal zwei Mal ausgetauscht werden zu können. Angenommen mit Mitte vierzig hätte ich mich für eine Prothese entschieden und diese hält bei sportlich aktiven Menschen 10 Jahre. Sie kann noch einmal erneuert werden. Somit hätte die Möglichkeit bestanden, nach heutigem Stand der Medizin, dass ich mit Mitte sechzig nicht mehr ohne Hilfsmittel mobil wäre. Sch… Perspektive!

Heute, 12 Wochen oder 3 Monate nach der OP, kann ich wieder ohne Schmerzmittel schlafen, Nordic Walken, und Arbeiten. Lediglich nach dem Bowlen nehme ich ab und zu noch eine Ibo. Mein Knie wird nur noch selten warm und erholt sich immer schneller nach Anstrengung.

Also klare Aussage: Mir hat die OP geholfen!

Ein „Aber“ möchte ich hier nicht verwenden, denn das würde meine Aussage relativieren. Ich möchte lediglich erwähnen, dass ich vor der OP recht sportlich und durchtrainiert war. Auch beim Bowlen war ich in unserem kleinen Verein BSV Berlin 2012 e.V. einer der Besten.

Davon bin ich heute noch meilenweit entfernt. Durch eisernen Willen und hohe Schmerztoleranz habe ich dank meiner tollen Physiotherapeutin Caro vom Therapiezentrum Löschner in sehr kurzer Zeit einen großen Teil meiner Oberschenkelmuskulatur erhalten, bzw. wieder aufbauen können. Auch hat Prof. Dr. Andreas Weiler vom sporthopaedicum Berlin die, vielleicht perfekten, operativen Grundlagen geschaffen.

Doch trotz zusätzlichen Trainingsmaßnahmen und extrem hoher Motivation humple ich und habe immer wieder (aushaltbare) Schmerzen. Die Feinmotorik ist dahin und die koordinativen Fähigkeiten müssen mühselig wieder erworben werden. Ab und zu sackt das Knie durch. Bänder, Sehnen und die Muskeln müssen wieder lernen zusammenzuarbeiten. Man darf nicht vergessen, das die Beinachse korrigiert wurde. Im Klartext bedeutet das, dass die gesamte Belastung des Beins anders ist, als vorher. Die Muskulatur kann man in wenigen Wochen wieder aufbauen, aber die Anpassung der Bänder und Sehnen (inkl. Faszien) benötigt Monate. Somit entstehen auch Schmerzen an Stellen, die definitiv nicht von der OP berührt waren.

Dennoch: Wenn ich die Erfahrung von heute schon vor der OP gehabt hätte, hätte ich diese Operation von Prof. Dr. Andreas Weiler erneut durchführen lassen!

 Würde ich diese Operation empfehlen?

Grundsätzlich nur, wenn es keine Alternative mehr zur Operation gibt!

Ansonsten immer erst alle Möglichkeiten ausschöpfen!

In erster Linie sind Nikotin, (Schmerz-)Tabletten und Alkohol Zellenkiller! Also alles daran setzen diese Stoffe zumindest weitestgehend einzuschränken.

Bewegungsarmut zerstört den Knorpel! Also beweg Dich!

Übergewicht lastet sehr auf dem Knorpel. Also Gewicht reduzieren.

Selbst wenn es nicht ausreicht und trotzdem operiert werden muss, hilft es Dir hinterher umso schneller wieder fit zu werden!

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